main

Atemberaubende Fotografien im Schatten der Tschernobyl-Katastrophe – James Cashas außergewöhnliche Lost Places Reise im Interview

27. Oktober 2017 — by Janina Benz0

Interview

atemberaubende-fotografien-tschernobyl-katastrophe-lost-places-reise-interview-james-cashas.jpg

Am 26. April 1986 trat im Block 4 des sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl, nahe der ukrainischen Stadt Prypjat, der größte anzunehmende Unfall ein – der Super-GAU! Eine Kombination aus menschlichem Versagen, mangelhaftem Reaktor-Design und bewusstem Missachten von Sicherheitsvorschriften führt hier zu einer vollständigen Kernschmelze und resultierenden Explosion, die ganz Europa unter einer radioaktiven Wolke begräbt. Ein Ereignis, dessen Tragweite noch heute spürbar ist. 31 Jahre danach hat sich James Casha ins Sperrgebiet gewagt, um die gewaltigen Auswirkungen der Katastrophe mit der Kamera festzuhalten und auf seinem Blog zu veröffentlichen. In unserem KODAK MOMENTS Interview erfahrt ihr seine exklusiven Einblicke aus Tschernobyl:

Herr Casha, wenn Sie sich an den Tag der Nuklearkatastrophe zurückversetzen, woran erinnern Sie sich?

Ich erinnere mich ganz deutlich an den Tag, als der Unfall passierte. Ein Lehrer meiner damaligen Hochschule hatte eine Tochter, die gerade zu der Zeit auf einem Schüleraustausch in Kiew war, nahe dem Atomkraftwerk. Verständlicherweise war mein Lehrer sehr besorgt, vor allem weil es damals kaum Informationen zu dem Unglück gab – kein Internet, kein Smartphone und kein Skype.

An die 400.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen und die Sperrzone im Umkreis von 30 km gilt noch heute als unbewohnbar. Welche Motivation steckt hinter Ihrer außergewöhnlichen Reise nach Tschernobyl?

Glücklicherweise ist es sehr einfach, organisierte Touren zu Lost Places zu finden. Deshalb habe ich schon mehrere solcher Reisen unternommen. In den letzten Jahren habe ich verlassene militärische Installationen, Krankenhäuser, Industriegebäude und noch andere Lost Places fotografiert. Tschernobyl ist dabei natürlich einer der ultimativen Lost Places, und ich habe schon lange mit dem Gedanken gespielt, dort hinzugehen. Dennoch muss ich betonen, dass ich auch gerne andere Sachen fotografiere, nicht nur Lost Places.
Als ich aber beschloss nach Tschernobyl zu gehen, habe ich versucht, meine Frau zu überzeugen, dass wir gemeinsam die Reise antreten. Doch das hat nicht funktioniert. Auch unter meinen Freunden herrschte zwar großes Interesse für meinen Ausflug nach Tschernobyl, doch mitkommen wollte keiner.

Nun ist die Reise nach Tschernobyl mit kaum einem anderen Reiseziel oder Lost Place zu vergleichen. Wie haben Sie sich auf den Besuch in Tschernobyl vorbereitet?

Vor meinem Besuch habe ich viel über die Ereignisse in Tschernobyl gelesen und einige Videos, Fotos sowie Reiseberichte von Leuten angeschaut, die schon dort waren. Außerdem stellte ich fest, dass der Eintritt in die Sperrzone für Einzelne nicht möglich ist. Daher reiste ich mit einer offiziellen Reisegruppe nach Tschernobyl. Mitgenommen habe ich nur einen kleinen Rucksack: Ein paar Kleidungsstücke, meine Spiegelreflexkamera mit Fotoausrüstung und einen tragbaren Geigenzähler. In der Sperrzone sollte man Taschen oder andere Gegenstände nicht auf den Boden legen, um den Kontakt mit kontaminierten Materialien zu vermeiden.

Mit einer Spiegelreflexkamera im Gepäck waren sie bestimmt nicht allein, oder?

Überraschenderweise war ich der Einzige in meiner Gruppe, der mit einer Spiegelreflexkamera fotografierte! Einer hat alles mit seiner GoPro auf einem Selfiestick aufgenommen und ein anderer hatte eine Kompaktkamera dabei. Alle anderen Reisende haben mit ihren Smartphones fotografiert und bei jeder Gelegenheit Selfies gemacht.
Für meine Bilder habe ich natürlich immer etwas mehr Zeit gebraucht. So war ich an fast jedem Ort immer die letzte Person, die zum Kleinbus zurückkehrte. Doch unser Reiseleiter war sehr geduldig: „James, wenn Sie bereit sind, wir müssen weiter…“

Lost Places wie Tschernobyl bieten sicher einzigartige Fotomotive. Sind Sie mit ihren Aufnahmen aus dem Sperrgebiet zufrieden, Herr Casha?

Ich wünschte, ich hätte mehr Bilder von Iwan dem Einsiedler gemacht, der immer noch in der Sperrzone lebt. Es war unheimlich interessant, seine Geschichten zu hören, die er uns erzählt hat. Außerdem gibt es Orte in der Ausschlusszone, die für Besucher nicht zugänglich sind. So konnte ich beispielsweise in Prypjat keine Fotos im Inneren der Gebäude aufnehmen. Dort ist es generell verboten, in die Gebäude einzutreten! Nicht wegen der Strahlungsgefahr, sondern wegen der Gefahr, dass sie zusammenbrechen.

Haben Sie Ihren persönlichen KODAK MOMENT aufgenommen, Ihr absolutes Lieblingsfoto?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Lieblingsfoto habe. Ich war sehr zufrieden mit den Bildern, die ich mitten im Wald in einem ehemaligen Sommercamp für Kinder aufgenommen habe. An den meisten Orten, die wir besuchten, verblieben uns nur 10 oder 15 Minuten, um alles anzusehen und zu fotografieren. Eine Ausnahme war das Sommerlager, es war sehr ruhig und alles erstrahlte herrlich in der späten Nachmittagssonne.

Obwohl es in der Tschernobyl-Sperrzone eine Liste von Regeln gibt, denen zugestimmt werden muss, hatte ich an manchen Orten den Eindruck, dass Fotografen die Gegenstände etwas „schöner gestaltet“ haben. Zum Beispiel im Kindergarten. Da bin ich mir nicht sicher, ob die Kinderpuppen und -bücher in den letzten 31 Jahren immer in der gleichen Position lagen!

Der Lost Place Tschernobyl ist ein ziemlich außergewöhnliches Fotoprojekt. Haben Sie aktuell noch weitere Projekte geplant?

In den letzten Jahren habe ich an einem Projekt gearbeitet, bei dem ich Fotografien aufnehme, die den Ort besonderer Ereignisse vor genau 100 Jahren im Wandel ihrer Zeit festhalten. Ein Beispiel dafür ist der erste Weltkrieg. Zudem fotografiert einer meiner Kollegen bei Kodak Alaris gerne Sterne und Planeten. Gute Aufnahmen vom Mond, der Milchstraße usw. zu machen, ist jedoch zeitaufwendig und schwieriger als man denkt. Ich würde gerne mehr Zeit damit verbringen, mit dieser Art von Fotografie zu experimentieren.

Wir sind uns sicher, dass auch bei James Cashas nächstem Fotoprojekt tolle Aufnahmen entstehen! Euch hat das Abenteuer gepackt und ihr möchtet selbst Lost Places entdecken? Dann schnappt eure Kamera und startet euer eigenes Fotoprojekt – wir sind gespannt!

Falls euch unser Blogbeitrag „Atemberaubende Fotografien im Schatten der Tschernobyl-Katastrophe – James Cashas außergewöhnliche Lost Places Reise im Interview“ gefallen hat, freuen wir uns, wenn ihr ihn via Facebook und Twitter teilt. Wollt ihr keine neuen Artikel mehr verpassen? Dann könnt ihr unseren Blog auch ganz einfach abonnieren. Weitere spannende Artikel in unserem Foto-Blog findet ihr hier:

Merken

Merken

Janina Benz

Janina Benz

Janina Benz ist seit 2014 Digital Marketing Manager des Geschäftsbereichs Imaging Consumer bei Kodak Alaris. In dieser Funktion verantwortet sie die Themen Firmen-Website, Apps, Social Media und Influencer Relations.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nur zur Verifizierung benötigt und wird nicht veröffentlicht oder weiterverwendet. Erforderliche Felder sind mit * markiert