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Crashkurs Bildrechte in Deutschland – Wo, was und wen darf man eigentlich fotografieren und welche Nutzung ist erlaubt?

2. Oktober 2015 — by Janina Benz3

FOTOTIPPS

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Habt ihr auch manchmal das Gefühl bei all den unterschiedlichen Bildrechten in Deutschland den Überblick zu verlieren? Wenn ja, dann erfahrt ihr hier alles, was ihr zum Thema Fotografie und Bildrechte in Deutschland wissen müsst!

Im Zeitalter digitaler Medien erleben wir eine wahre Bilderflut: Täglich werden Millionen von Fotos aufgenommen und verbreitet. So ist es für uns mittlerweile selbstverständlich, überall und zu jeder Zeit Fotos mit unserer Kamera oder dem Smartphone aufzunehmen. Doch wer seine Bilder nicht nur privat verwenden will, sondern veröffentlicht oder kommerziell nutzt, muss einiges beim Fotografieren beachten! Denn schneller als einem lieb ist, verstößt man im deutschen Bildrechte Jungle gegen geltendes Recht: Dieses schützt zum einen das Urheberrecht des Fotografen, zum anderen aber auch die Rechte der oder des Fotografierten. Jeder, der geschäftlich oder privat gerne fotografiert, sollte sich mit den Grundregeln des Bildrechts in Deutschland auskennen, damit später nicht das böse Erwachen kommt. Daher haben wir für euch die wichtigsten Regelungen in einem Crashkurs Bildrechte zusammengefasst.

#1 Bildrechte Crashkurs: Wo darf man in Deutschland fotografieren?

Sobald ihr euch nicht mehr auf öffentlichem Boden befindet, ist Fotografieren nur noch eingeschränkt erlaubt. Denn in Gebäuden wie Museen oder Archiven, aber auch auf allen privaten und gewerblichen Grundstücken gilt das Hausrecht: Das bedeutet, dass die Eigentümer selbst bestimmten können, wem sie den Zutritt gewähren und auch wem sie das Fotografieren erlauben. Zudem können sie Vermarktungsansprüche erheben, zum Beispiel eine Gebühr für die Abbildung und Verbreitung ihres Eigentums. Um jegliche Verstöße zu vermeiden, lasst ihr euch am besten eine Fotografiererlaubnis geben und klärt schon im Vorfeld die Bedingungen zur Verwendung der Fotos schriftlich ab.

#2 Bildrechte Crashkurs: Was darf man eigentlich fotografieren?

Das Fotografieren in öffentlichen Bereichen wird durch die Panoramafreiheit, auch Straßenbildfreiheit genannt, geregelt: Demnach dürfen auch urheberrechtlich geschützte Gebäude oder Objekte fotografiert werden, solange sie von einem allgemein zugänglichen Ort aus aufgenommen werden. Eine weitere Bedingung ist, dass der öffentliche Zugang dauerhaft gegeben sein muss – diese Regelung gilt zum Beispiel nicht für kurzzeitige Kunstaktionen wie z.B. die Verhüllung des Reichstages 1995. Sind diese Bedingungen erfüllt, darf ohne die Erlaubnis des Eigentümers oder Urhebers alles fotografiert und veröffentlicht werden, was gefällt!

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Eine Besonderheit des Bildrechts in Deutschland ist die Abbildung von Marken. Diese können sowohl von dem Markenrecht als auch von dem Urheberrecht geschützt sein, wobei eine strikte Trennung sehr schwierig ist. Wenn markenrechtlich geschützte Logos oder Produkte auf den Bildern zu erkennen sind, werden die Markenrechte verletzt. Das ist jedoch nur der Fall, wenn die Fotos geschäftlich genutzt werden und mit ihnen ein Wettbewerb betrieben wird – sowohl im positiven Sinne durch Imagetransfer und Bewerbung eines anderen Produkts als auch im negativen Sinne durch Verunglimpfung der Marke selbst. Doch auch Urheberrechtsverletzungen nach deutschem Bildrecht sind möglich, da viele Markenzeichen unter Urheberschutz stehen. Eine Ausnahme von dieser Regelung sind Bilder, auf denen das urheber- oder markenrechtlich geschützte Symbol oder Produkt nicht das Hauptmotiv darstellt, zum Beispiel wenn man eine Einkaufsstraße fotografiert.

#3 Bildrechte Crashkurs: Wen darf man eigentlich fotografieren?

Wenn ihr natürliche Personen fotografiert – egal ob einen Prominenten oder euren Nachbarn – solltet ihr das Recht am eigenen Bild beachten. Dies ist ein Persönlichkeitsrecht, nach dem jeder frei entscheiden darf, ob er fotografiert werden möchte und in welchem Kontext die Bilder von ihm veröffentlicht werden dürfen. Das gilt meist dann, wenn eine Person auf einem Bild eindeutig erkennbar ist, unabhängig davon, ob man das Gesicht sieht oder nur bestimmte Eigenschaften wie eine markante Frisur, die die genaue Identität einer Person verraten kann. In diesem Fall solltet ihr euch immer eine schriftliche Einwilligungserklärung der Personen einholen.

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Natürlich gibt es auch in Deutschland Ausnahmen im Recht am eigenen Bild! Wenn Personen etwa nur Beiwerk in einem Foto sind, ihr also zum Beispiel bei einer Straßenaufnahme zufällig Fußgänger aufnehmt, benötigt ihr nicht unbedingt eine Einwilligung zur Veröffentlichung. Ähnliches gilt auch für das Bildrecht bei Veranstaltungen wie Demonstrationen oder bei öffentlichen Festen: Dort liegt der Fokus auf dem Event und nicht auf den Personen an sich. Viel diskutiert ist auch das Fotografieren von sogenannten Personen der Zeitgeschichte, also bekannten Politikern, Künstlern oder Sportlern. Hier gibt es aktuell keine genaue Unterscheidung von absoluten und relativen Personen der Zeitgeschichte mehr – stattdessen wird im Zweifelsfall einzeln abgewägt und bei jedem Fall separat geprüft, ob das Bild der Person einer gewissen Zeitgeschichte zuordenbar ist. Doch die allgemeine Faustregel bleibt: Je mehr eine Person im öffentlichen Interesse steht, desto eher sind Fotoaufnahmen auch von ihr rechtlich erlaubt – natürlich gelten auch hier Ausnahmen! Denn die geschützte Privatsphäre von öffentlichen Personen darf in keinem Fall verletzt werden, z.B. indem man ein Teleobjektiv nutzt, über eine Mauer späht oder intime Situationen ablichtet.

Bildrechte in Deutschland – Immer eine juristische Herausforderung?

Wenn ihr jetzt den Eindruck bekommen habt, dass man Jura studiert haben muss, um Fotograf oder Hobby-Fotograf zu werden, dann möchten wir euch zum Schluss noch eines mitgeben: Keine Panik! Denn mit der Zeit bekommt ihr schnell ein Gefühl für die verschiedenen Bildrechte in Deutschland und wisst dann auch, was erlaubt ist und was nicht. Einst sagte William Shakespeare „Behauptung ist nicht Beweis.“ Das gilt auch heute noch im Bildrecht! Also lasst euch alles schriftlich geben, sichert euch hab und holt euch im Zweifelsfall juristischen Beistand.

Wir hoffen wir konnten euch mit diesem Blogartikel über Bildrecht in Deutschland etwas weiterhelfen. Natürlich sind unsere Vorschläge ohne Gewähr zu sehen, da jeder Einzelfall anders ist und nochmals separat betrachtet werden muss.

Falls euch unserer Blogbeitrag „Crashkurs Bildrechte in Deutschland – Wo, was und wen darf man eigentlich fotografieren und welche Nutzung ist erlaubt?“ gefallen hat, freuen wir uns, wenn ihr ihn via Facebook und Twitter teilt. Weitere spannende Artikel in unserem Foto-Blog findet ihr hier:

Janina Benz

Janina Benz

Janina Benz ist seit 2014 Digital Marketing Manager des Geschäftsbereichs Imaging Consumer bei Kodak Alaris. In dieser Funktion verantwortet sie die Themen Firmen-Website, Apps, Social Media und Influencer Relations.

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