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Falk Hedemann über Bilder im digitalen Zeitalter, Analogfotografie und seinen ganz persönlichen #KodakMoment

18. September 2015 — by Janina Benz2

AllgemeinInterviewStories

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Unser KODAK MOMENTS Blog ist mir eine echte Herzensangelegenheit. Deswegen freue ich mich, dass ich euch heute einen ganz besonderen Gast auf unserem Blog vorstellen darf. Falk Hedemann ist sowohl privat als auch geschäftlich in der digitalen Welt zuhause und berät Organisationen wie WWF Deutschland oder die Deutsche Bahn in Sachen digitale Kommunikation. Zusätzlich schreibt er als freier Journalist für LEAD digital und Internet World Business und ist parallel noch Mitherausgeber vom UPLOAD Magazin. Falk ist außerdem passionierter Hobbyfotograf, was sich in zahlreichen Fotos von seinen vielen Reisen niederschlägt. In den kommenden Wochen wird er hier als Gastautor über den Wandel in der digitalen Fotografie schreiben.

Zum Auftakt habe ich mit Falk Hedemann gesprochen und in unserem Interview erzählt er, welche Erfahrungen sein Beruf mit sich gebracht hat.

Hallo Falk. Du bist seit vielen Jahren nicht nur privat, sondern auch beruflich in der digitalen Welt unterwegs. Wie hat sich deine Arbeit mit der Zeit verändert?

Wenn ich an die Anfänge meiner beruflichen Selbständigkeit zurückdenke, dann hat sich bis heute eigentlich fast alles verändert – oder auch nichts. Dabei habe ich früh auf die digitale Karte gesetzt und wollte mein Geld gleich mit dem Internet verdienen. Dennoch war die Ausgangssituation deutlich anders. Das Internet war für alle noch Neuland und ich konnte mit Recherchen mein erstes „digitales“ Geld verdienen. GOOGLE kannte damals kaum einer, FACEBOOK oder TWITTER gab es noch nicht. Die wichtigste Frage war für mich: Wie kann ich meine Dienstleistung bekannt machen? Ich habe einiges ausprobiert, aber am erfolgreichsten waren die Dinge, die mit konkreten Inhalten zu tun hatten. Heute gibt es ganz andere Möglichkeiten, wenn man mit einem digitalen Business starten möchte. Das hat sich also komplett verändert. Allerdings geht es heute immer noch um möglichst konkrete Inhalte, wenn man auf sich aufmerksam machen möchte. Das ist im Grunde die große Konstante, die mich in all den Jahren begleitet hat.

Hast du ein persönliches Highlight, ein Erfolgserlebnis auf das du ganz besonders stolz bist?

Es gibt schon einige Meilensteine in meiner „Karriere“, die im Rückblick einen besonderen Stellenwert einnehmen. Ich würde da jetzt aber keinen hervorheben. Ich glaube, für mich war es besonders wichtig, dass ich immer klare Ziele für mich selbst definiert hatte. Der Weg zum Ziel war dann aber nie in Stein gemeißelt, es gab nur eine grobe Richtung. Das hat mir auf der einen Seite Handlungssicherheit verschafft, mir auf der anderen Seite aber auch reichlich Spielraum gelassen. Diese Philosophie hat mich dahin gebracht, wo ich heute stehe und darauf bin ich durchaus stolz, denn der sicherste Weg ist das nicht unbedingt.

Man muss schon mal ein Risiko eingehen und die Richtung wechseln, wenn man merkt, dass Hindernisse den Weg versperren und man nicht weiterkommt. Das war bei mir Anfang 2013 der Fall. Ich hatte das Gefühl in meinem Redaktionsjob auf der Stelle zu treten, wollte mich aber weiterentwickeln. Ich gab der inneren Aufbruchstimmung ihren Raum und plante einen kompletten Neustart. Statt in einem 9to5-Job rein journalistisch zu arbeiten – was eigentlich mein Traum war – wollte ich mich breiter aufstellen. Heute kann ich sagen, dass dieser Plan nicht nur aufgegangen ist, sondern auch genau zum richtigen Zeitpunkt reifte. Ich arbeite heute immer noch als Journalist, aber ich bin außerdem auch Publisher (UPLOAD Magazin) und berate Unternehmen bei ihrer digitalen Kommunikation.

Blogs sind seit jeher eine beliebte Kommunikationsplattform im Netz – gerade in den vergangenen Jahren haben sich aber weitere Kanäle aufgetan (FACEBOOK, INSTAGRAM, YOUTUBE). Welchen Einfluss haben diese Kanäle auf den Stellenwert von Blogs genommen?

Ich weiß gar nicht wie viele Tode die Blogs schon gestorben sind. Fakt ist: Sie leben immer noch und ihre Bedeutung bzw. ihre Wertschätzung steigt aktuell wieder enorm an. Es gab zwar eine Zeit, in der einzelne Unternehmen ihre eigene Webpräsenz komplett geschlossen haben, um nur noch auf Facebook zu kommunizieren, doch das rächte sich spätestens mit dem Börsengang von Facebook. Aus Unternehmenssicht ist Facebook heute kein Social Network mehr, sondern eine Marketingplattform. Wer dort erfolgreich, das heißt sichtbar, kommunizieren möchte, muss dafür zahlen.

Es gibt zahlreiche Gründe, die für einen Blog als Kommunikationsplattform sprechen, gerade auch im Vergleich zu den anderen Social-Media-Plattformen, wie ich es auf meinem Blog ausführlich beschrieben habe. Besonders wichtig ist für Unternehmen, dass nur sie alleine bestimmen, was auf ihrem Blog passiert, während FACEBOOK & Co. die Regeln nach Belieben ändern können. Es spricht auch gar nichts gegen den Einsatz von sozialen Kanälen, solange es einen zentralen Content-Hub gibt, der alle Aktivitäten zusammenführt. FACEBOOK, TWITTER, INSTAGRAM und YOUTUBE sind dann die Satelliten, die den Blog umkreisen.

Stichwort Social Media – Inwiefern haben deiner Meinung nach soziale Netzwerke den Wert und die Wahrnehmung von digitalen Bildern beeinflusst?

Digitale Bilder haben durch die sozialen Netzwerke heute einen sehr großen Stellenwert. Denn ohne eine gute Bebilderung funktionieren Online-Inhalte nicht mehr. Die Bilder gehören in einer Zeit des Content-Overflows (es gibt viel mehr Inhalte als wir konsumieren können) zu den wichtigsten Werkzeugen der Aufmerksamkeitslenkung. Konkret bedeutet das, dass ein gutes Bild den Unterschied machen kann, ob ein Facebook-Post erfolgreich ist oder nicht. Noch bevor wir den Text lesen, schauen wir uns das Bild an und entscheiden in Bruchteilen von Sekunden, ob es uns interessiert. Verantwortlich dafür ist die Informationsverarbeitung im Gehirn, die bei Bildern deutlich schneller abläuft als bei Texten. Zudem kann die Informationsdichte eines Bildes sehr hoch sein und komplizierte Sachverhalte einfach verdeutlichen, die ansonsten aufwändig zu beschreiben wären.

Dazu kommen noch besondere Bilder, die in der analogen Welt nicht machbar wären. Ein sehr bekanntes Beispiel ist das Foto von einem auf dem Hudson River notgelandeten Verkehrsflugzeug im Januar 2009. Der in Florida lebende Lette Jānis Krūms befand sich zum Zeitpunkt der Beinahekatastrophe auf einer Fähre mitten auf dem Fluss, machte mit seinem Smartphone ein Bild von der Unglücksmaschine und twitterte es. Es war das erste Bild des auf dem Wasser treibenden Flugzeugs und ging buchstäblich um die Welt. Dieses Beispiel steht heute gleichzeitig für die Stärken des Social Webs und der digitalen Bilder. Es entstand unmittelbar aus der Situation heraus und wurde sofort veröffentlicht. Das ging in der Form nur mit einem Smartphone. Ein Jahr später wurde mit INSTAGRAM übrigens ein heute bedeutendes Netzwerk gegründet, das auf unmittelbar mit dem Smartphone aufgenommenen Fotos basiert. Ob das „Wunder vom Hudson“ bei der Idee von Instagram eine Rolle gespielt hat? Denkbar wäre es…

Neben INSTAGRAM gibt es mit PINTEREST und SNAPCHAT noch weitere Social Networks, die sich ganz den digitalen Bildern verschrieben haben und voll im Trend liegen. Die Bedeutung wird also sehr wahrscheinlich weiter steigen.

Bei SNAPCHAT sind Bilder gerade mal ein paar Sekunden haltbar. Ist dieser Trend für dich eher eine Entwertung von digitalen Bildern oder eine spannende neue Art mit Fotos im Netz zu kommunizieren?

Die sogenannten Ephemeral Media, also die „flüchtigen Medien“ sind vor allem bei der jüngsten Zielgruppe beliebt und verbreitet. SNAPCHAT befriedigt bei ihnen das Bedürfnis persönlicher Äußerungen, die nicht von anderen Personen gesehen werden können (FACEBOOK) und auch nicht über Suchen (GOOGLE) auffindbar sind. Anders als bei FACEBOOK werden die via SNAPCHAT hat geteilten Bilder wieder gelöscht und eben nicht für immer der digitalen Identität hinzugefügt. Ich verstehe dieses Bedürfnis und sehe darin eine neue Kommunikationsart, die sich gerade etabliert. Die hohe Popularität von SNAPCHAT oder auch YO weckt natürlich schnell das Interesse der Marketer und auch wenn es schon einige scheinbar erfolgreiche SNAPCHAT-Kampagnen gegeben hat, sehe ich das eher skeptisch. Nicht alles, was man machen kann, sollte oder muss man auch machen. Lassen wir der jungen Zielgruppe doch den notwendigen Raum für ihre Art der Kommunikation und versuchen nicht gleich wieder davon zu profitieren.

Für mich persönlich ist dieser Trend keine Entwertung digitaler Bilder, denn sie haben für die Jugendlichen ja gerade einen so hohen persönlichen Wert, dass sie sie nicht mit jedem teilen möchten. Schauen wir doch einfach zu, wie sich das weiterentwickelt.

Laut zahlreichen Studien wird täglich eine riesige Zahl an Bildern im Netz geteilt, trotzdem sieht man heutzutage wieder vermehrt Menschen, die auf analoge Fotografie zurückgreifen. Woran könnte das deiner Meinung nach liegen?

Ich glaube dafür sind mehrere Dinge verantwortlich. Zunächst gibt es zu jedem Trend immer einen Gegentrend. Das sieht man auch am Comeback der Schallplatten, deren Verkaufszahlen in den letzten Jahren wieder stark ansteigen, während die Zahl der verkauften CDs weiter sinkt. Natürlich werden immer noch weit mehr CDs verkauft, aber wer hätte ernsthaft mit steigenden Plattenverkäufen gerechnet? Dazu trägt sicher auch ein wenig der Retroschick bei, aber auch das Unperfekte der analogen Technologien: Es knistert und rauscht (es gab sogar einige CD-Alben, auf denen das simuliert wurde). Das lässt sich ebenso auf die Fotografie übertragen. Ein mit einer analogen Kamera geschossenes Bild, das man fertig entwickelt in der Hand hält, hat einen ganz anderen Charme und auch eine andere Wertigkeit als digitale Fotos auf dem Rechner.

Ein weiterer Grund ist die Verbindlichkeit der analogen Fotografie. Macht man digital von jedem Motiv so viele Fotos wie man mag und hat nur die Kapazität der Speicherkarte als Limit, denkt man bei einem eingelegten Film mit einer festen Fotoanzahl viel mehr über das einzufangende Motiv nach. Das Fotografieren wird so wieder bewusster und weniger beliebig. Bei mir wandern beispielsweise zwei Drittel aller Digitalbilder in den virtuellen Reißwolf.

Und dann gibt es natürlich auch noch die gelernten Fotografen der alten Schule, die nichts auf die Qualität und Wertigkeit analoger Kameras kommen lassen. Sie begreifen ihren Beruf als echtes Handwerk und grenzen sich mit analoger Fotografie auch vom Massenmarkt und den vielen Millionen Hobbyfotografen ab.

Du selbst hast mir erzählt, dass du mehr als 10.000 Bilder besitzt. Wie filterst du da die wirklich schönen Erinnerungen heraus und welche Rolle spielen gedruckte Fotos für dich?

Der große Vorteil digitaler Bilder liegt für mich in der Art der Organisation. Statt zahllose Fotoalben im Regal stehen zu haben, in denen man aufwändig nach einer bildhaften Erinnerung suchen muss, kann man digital ganz anders vorgehen. Ich habe alle meine Bilder in einer Bibliothek und organisiere sie darin über digitale Fotoalben. Zudem kann man den Bildern auch Schlagwörter zuweisen und sie so auch über Alben hinweg organisieren. Aber ich muss auch zugeben, dass meine Organisationstheorie in der Praxis gelegentlich an ihre Grenzen stößt. Das Sichten, sortieren und taggen der Fotos verbraucht eben doch einiges an Zeit ;).

Gedruckte Fotos spielen für mich ehrlich gesagt momentan keine große Rolle. Ich habe kaum analoge Fotos von früher, weil ich mit den analogen Kameras nie viel Glück hatte. Und digitale Fotos daheim auszudrucken habe ich mal kurz ausprobiert, dann aber wieder sein gelassen. Mir war das einfach zu umständlich und bei entsprechender Qualität auf Dauer auch zu teuer. Manchmal wäre es aber schon schön, wenn man mal in ein analoges Fotoalbum schauen könnte ;).

Falk Hedemanns KODAK MOMENT
Falks KODAK MOMENT – aufgenommen im Mai 2015 in Shanghai

Natürlich sind wir bei KODAK MOMENTS vor allem interessiert an außergewöhnlichen Fotos und den Geschichten dahinter. Hast du als passionierter Fotograf einen echten KODAK MOMENT, über den du uns berichten kannst – ein einmaliges Foto, das ein ganz besonderes Erlebnis festhält und an dem dir besonders viel liegt?

Oh, das ist mal eine Aufgabe. Es gibt da so viele tolle Bilder, die mit persönlichen Erinnerungen verknüpft sind. Aber die sind dann meist nur für mich toll, weil sich die Erinnerungen ja nur in meinem Kopf befinden. Das ist auch der Grund, warum die Diashows von Urlaubsreisen (keine Ahnung ob das heute noch jemand macht) früher immer so langweilig waren. Landschaft, Strand oder Wasser soweit das Auge blickt – nur ohne Erinnerung so langweilig wie eine weiße Tapete.

Ich habe jetzt aber trotzdem ein Foto ausgesucht – ohne Landschaft, Strand und Wasser! Es ist am 25. Mai 2015 in Shanghai entstanden und symbolisiert für mich sehr eindrucksvoll die Gegensätze der chinesischen Megacity. Auf der einen Seite viel Ganz und farbenfrohe, blickende Werbung, auf der anderen Seite Menschen, die in großer Armut leben. Nachdem ich das Foto von diesem Mädchen auf dem Werbeplakat geschossen hatte, verfolgte mich das Gesicht noch sehr lange. Wenn ich das Foto heute sehe, versetzt es mich gleich wieder nach Shanghai und in die Stimmung, die ich damals empfand. Das macht für mich ein gutes Bild aus: Es sind Sprungmarken zum (Wieder-)Erleben der eigenen Vergangenheit.

Janina Benz

Janina Benz

Janina Benz ist seit 2014 Digital Marketing Manager des Geschäftsbereichs Imaging Consumer bei Kodak Alaris. In dieser Funktion verantwortet sie die Themen Firmen-Website, Apps, Social Media und Influencer Relations.

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