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FSJ auf den Philippinen: Zwischen Gastfreundschaft und Armut

25. August 2015 — by Janina Benz1

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Heute geht es weiter mit unserer Reihe „Auslandstagebuch – KODAK MOMENTS around the world“. In dieser Aktion unterstützen wir neun Teilnehmer, die ein FSJ („Freiwilliges Soziales Jahr“) im Ausland machen. Es ist mutig, die eigene Heimat hinter sich zu lassen und ganz allein in ein Entwicklungsland zu fliegen, um den Menschen vor Ort zu helfen. Hier auf dem Blog veröffentlichen wir in regelmäßigen Abständen einen aktuellen Bericht und erzählen euch von den schönsten #KODAKMOMENTS der Reisenden.

Heute machen wir einen Exkurs auf die Philippinen nach Cebu zu Damaris, die ihr FSJ in einem Kinderheim macht.

Damaris am Strand während ihres FSJ auf den Philippinen
Damaris am Strand während ihres FSJ auf den Philippinen

Janina: Hallo Damaris! Was hat dich überzeugt, ein Freiwilliges Soziales Jahr auf den Philippinen zu machen?

Damaris: Ich fand es als Kind schon immer sehr spannend, wenn Menschen längere Zeit im Ausland waren und dann von ihren Erfahrungen berichtet haben. Für mich war sehr früh klar, dass ich nach dem Abitur für längere Zeit ins Ausland möchte. Ich wollte aber nicht nur Urlaub machen, sondern die Kultur und die Menschen des Landes kennenlernen und auch etwas Sinnvolles machen. Deshalb habe ich mich für ein FSJ entschieden. Ich denke, es ist auch heutzutage noch sehr wichtig, sich freiwillig zu engagieren. Denn es gibt viele Menschen in Not, aber zu wenige, die tatsächlich helfen.

„Ich hatte viele Vorstellungen von den Philippinen und meinem FSJ“

Janina: Häufig weichen Vorstellung und Realität stark voneinander ab. Wie hast du dieses Land, die Kultur und die Menschen erlebt? Haben sich deine Vorstellungen bestätigt?

Natürlich kann man das, was man sich vorstellt, nie mit der Realität vergleichen. Ich habe mir von vielen Dingen und Situationen schon ein Bild gemacht, bevor ich überhaupt dort war. Ich habe mir zum Beispiel auch überlegt, wie es sein wird, auf den Essensausgaben für die Straßenkinder zu helfen. Ich habe schon damit gerechnet, dass die Gegenden sehr arm sein werden und es schwer sein wird, die Armut mit eigenen Augen zu sehen. Aber in der Realität sind es dann dort nicht nur arme Menschen, sondern Menschen mit Namen. Jeder hat seine eigene Geschichte und das ändert dann die Wahrnehmung sehr stark.

Damaris mit Kindern auf den Philippinen
Damaris mit Kindern auf den Philippinen

Ich habe auch, bevor ich auf die Philippinen ging, oft gehört, dass die Filipinos sehr gastfreundlich seien. Was das  aber wirklich bedeutet, habe ich erst verstanden, als ich auf den Philippinen war. Es ist schwer zu glauben, dass Menschen, die nicht jeden Tag drei vollständige Mahlzeiten auf dem Tisch haben, einen zum Essen einladen wollen. Aber das ist ein Teil der Kultur und diese Erfahrungen sind im positiven Sinn von der Vorstellung abgewichen, die ich im Voraus hatte.

Über die Stellungen der einzelnen Menschen dort habe ich mir in Deutschland noch wenige Gedanken gemacht. Auf den Philippinen habe ich dann aber erlebt, dass das “Schichtdenken“ dort noch sehr real ist und man wirklich zu Leuten, die „über einem stehen“ unterwürfig sein sollte und seine eigene Meinung nicht direkt sagen darf.

„Folgen des Taifuns letzten Jahres hat man immer wieder gesehen“

Ich hatte viele Vorstellungen von den Philippinen und meinem FSJ. Die meisten haben sich auch bestätigt. Aber ich kann nicht sagen, dass sie komplett mit der Realität zusammengepasst haben. Denn die Realität ist meistens härter als man denkt, konnte in meinem Fall aber auch schöner sein (etwa in Sachen Gastfreundschaft).

Janina: Die Philippinen sind immer wieder in den Schlagzeilen mit den schlimmen Folgen der Naturkatastrophen. Wie ist die Situation tatsächlich im Land?

Damaris: In Cebu, der Stadt in der ich lebte, hat man nicht sehr viel von den Folgen gespürt und man hat auch  selten etwas von den vielen Taifun-Warnungen gespürt, die in Deutschland in den Nachrichten gelandet sind und auch von den Taifun-Warnungen, die nur wir auf den Philippinen bekommen haben. Das liegt aber vor allem daran, dass wir von vielen Inseln umrundet sind, die Taifune abschwächen können und dass noch schützende Berge hinter der Stadt sind. Was wir nur als kühlere, regnerische und windige Tage erlebt haben, hat anderen das Leben gekostet oder das Zuhause weggenommen.

Folgen des Taifuns letzten Jahres hat man immer wieder gesehen, vor allem wenn man auf anderen Inseln als die Insel Cebu war. In Bantayan oder Malapascua zum Beispiel haben wir einmal Urlaub gemacht. Dort sind noch viele Häuser zerstört, aber es wurden auch wieder neue aufgebaut. Man sieht immer wieder große zerstörte Flächen, die meistens noch von letztem Jahr sind, aber auch von neueren Taifunen. Das schöne ist aber immer, dass die Filipinos selbst in der schlimmsten Situation noch ein Lächeln im Gesicht haben und zuversichtlich sind – und das, obwohl sie nicht wissen, wann das nächste Mal wieder alles, was sie aufgebaut haben, zerstört wird.

Von einem Taifun zerstörte Landschaft auf den Philippinen
Von einem Taifun zerstörte Landschaft auf den Philippinen

Janina: Du hast dich entschieden, für ein Kinderheim zu arbeiten. Dort gibt es bestimmt einige Menschen mit schlimmem Schicksal. Wie gehst du mit dieser emotionalen Herausforderung um?

Damaris: Am Anfang realisiert man noch gar nicht, wie viel Schmerz hinter den lachenden Kindergesichtern steckt – oder hinter der coolen Fassade eines Teenagers. Aber je länger ich da war und je mehr die sich Kinder uns anvertraut haben, desto größer wurde auch die emotionale Herausforderung. Gerade für mich, die ich so behütet aufgewachsen bin, war es nicht immer einfach. Ich habe, wenn mich etwas sehr beschäftigt hat, viel gebetet, in der Bibel gelesen und auch mit andern Freiwilligen gesprochen. Ich musste lernen, dass ich die Vergangenheit der Kinder nicht einfach ändern kann. Ich musste es akzeptieren. Aber ich hatte immer noch die Möglichkeit, im „Jetzt“ etwas zu ändern, ihnen zuzuhören, Zuneigung zu geben und Gottes Liebe weiter zu geben.

Janina: Wenn du die zwei intensivsten Erlebnisse auswählen müsstest, wovon dich eines positiv und eines negativ berührt hat, welche wären das?

Damaris: Eines der intensivsten positiven Erlebnisse war die Zeit auf Bantayan, als wir Kinder besucht haben, die auch bei uns in Cebu auf den Sommercamp waren. Die Kinder und ihre Familien waren auch von dem Taifun betroffen und CHRIST FOR ASIA hat dort Häuser wiederaufgebaut.

„Am Anfang realisiert man noch gar nicht, wie viel Schmerz hinter den lachenden Kindergesichtern steckt“

Als wir die Kinder dann dort besuchten, haben sie sich einfach so gefreut, haben den ganzen Tag Zeit mit uns verbracht, uns schöne Orte gezeigt und es waren einfach drei Tage gefüllt mit philippinischer Lebensfreude, Gastfreundschaft und Freiheit (ich habe nie auf die Uhr geschaut, einfach gelebt). Teilweise haben sogar manche die Schule geschwänzt, nur damit sie Zeit mit uns verbringen können. Es war einfach schön, ihre Wertschätzung auch für die kleinen Dinge zu sehen – und, dass sie trotz allem, was sie verloren haben und trotz ihrer Armut so lebensfroh sind.

Gruppenfoto mit Kindern und Jugendlichen, die Damaris auf den Philippinen kennen gelernt hat.
Gruppenfoto mit Kindern und Jugendlichen, die Damaris auf den Philippinen kennen gelernt hat.

Was für mich auch sehr schön war, war abends einfach mit den älteren Mädels vom Heim Zeit zu verbringen, Zumba zu tanzen, zu reden oder die kleinen Mädels ins Bett zu bringen.

Für mich gab es kein einzelnes intensives negatives Erlebnis. Es waren eher die Lebensgeschichten mancher Menschen, die mich eine Zeitlang sehr beschäftigt haben. Es waren nicht nur die Kinder im Heim, die schlimmes erlebt haben. Auch im Gefängnis, wo ich manchmal dabei war, haben die Mädchen dort schon viel Schlimmes erlebt. Diese Lebensgeschichten haben aber auch bei mir bewirkt, dass ich sehr, sehr dankbar für meine Kindheit, meine Familie und meinen Wohlstand geworden bin. Dinge, die in Deutschland für viele ja selbstverständlich sind.

Janina: Deine Zeit auf den Philippinen geht bald zu Ende. Inwieweit wird dieses Jahr deine Zukunftspläne beeinflussen?

Damaris:  Um ehrlich zu sein, hatte ich den Studiengang Kulturwissenschaften, den ich höchstwahrscheinlich nehme, schon vor den Philippinen im Kopf. Auf den Philippinen kamen dann zwischendurch auch mal Zweifel und andere Ideen, aber ich bin immer wieder darauf zurückgekommen. Aber die Zeit hat mich auf jeden Fall so beeinflusst, dass ich mich weiterhin auch in Deutschland neben dem Studium freiwillig engagieren will, denn hier gibt es auch Armut und Probleme. Zudem will ich einfach die philippinische Lebensfreude und Gastfreundlichkeit nach Deutschland mitnehmen. Die Zeit auf den Philippinen hat also nicht unbedingt meinen beruflichen Weg beeinflusst – aber die Art, wie ich in Deutschland leben will.

Ihr würdet gerne mehr zum Thema Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland erfahren? Dann schaut doch auch einmal von Zoes Reisebericht von ihrem FSJ in Indien vorbei.

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Janina Benz

Janina Benz

Janina Benz ist seit 2014 Digital Marketing Manager des Geschäftsbereichs Imaging Consumer bei Kodak Alaris. In dieser Funktion verantwortet sie die Themen Firmen-Website, Apps, Social Media und Influencer Relations.

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