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Helden des Alltags! Integrations-Lehrer für Flüchtlinge erzählen von Ihren Erfahrungen

13. November 2015 — by Janina Benz0

InterviewStories

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Es ist ein sonniger Tag in Albstadt, einem beschaulichen Ort auf der Schwäbischen Alb. In einem hell und sachlich eingerichteten Raum hört eine Gruppe von Menschen Kurt Kreiner aufmerksam zu, während er Präpositionen erklärt. Die Vögel zwitschern und gelegentlich fährt ein Auto vorbei, ansonsten ist es vollkommen ruhig und friedlich – das genaue Gegenteil von dem, was die Schüler in diesem Raum gewohnt sind. Denn dort, wo sie herkommen, herrscht Krieg, fallen Bomben, fliegen Kugeln. Es sind Flüchtlinge, die hier in Kurts Übungsraum sitzen und die deutsche Grammatik lernen.

Während deutschlandweit noch über die Integration der Flüchtlinge diskutiert wird, ist man im Bildungszentrum Donner + Partner in Baden-Württemberg schon mittendrin. In Integrations- und Alphabetisierungskursen lernen Flüchtlinge hier die deutsche Sprache, Kultur, Politik und die Rechte kennen – bei den Lehrern Kurt Kreiner und Sabine Hartmann-Tajbakhsh. In ihre Kurse kommen Asylanten und Migranten, die in Deutschland bleiben können und hier die ersten Schritte in ihr neues Leben gehen. Wie sie Flüchtlingen beim Start in ein neues Leben helfen und welche persönlichen KODAK MOMENTS sie dabei erlebt haben, das erzählen sie uns in im exklusiven Interview.

Kurt und Sabine, ihr arbeitet in der Integration von Flüchtlingen an vorderster Front. Wie nehmt ihr die aktuelle Situation wahr?

Kurt: Was ich in den Medien sehe und lese, schockiert mich immer wieder, und auch die Politik zeigt sich sehr schwerfällig. Doch persönlich habe ich einen ganz anderen Eindruck! Ich wohne in einer Stadt mit einer Landeserstaufnahmestelle und sehe, dass die Situation mit der Hilfe vieler ehrenamtlicher Helfer dort sehr gut im Griff ist. Da gibt es keine Reibungspunkte zwischen den Anwohnern und Asylbewerbern.

Sabine: Ich bin überzeugt, dass wir diese Aufgaben gemeinsam bewältigen können. Wir sollten offen miteinander umgehen, dabei aber nicht kritiklos alles hinnehmen. Die Flüchtlingssituation wird unsere Gesellschaft verändern, aber Angst habe ich keine. Leben bedeutet Wandel!

Kurt Kreiner im Alphabetisierungskurs: Wie werden Präpositionen richtig verwendet?
Kurt Kreiner im Alphabetisierungskurs: Wie werden Präpositionen richtig verwendet?

Ihr arbeitet nun schon seit vielen Jahren in der Integration. Hat sich eure Sicht auf die Asylpolitik seitdem verändert?

Kurt: Seit Beginn des Krieges in Syrien und der damit verbundenen Flüchtlingswelle merke ich eine große Veränderung in der Teilnehmerstruktur der Integrationskurse. Meine Sicht auf die Asylpolitik bleibt dabei sehr positiv, denn der Zugang zu den Kursen wird gerade vereinfacht und die Wartezeit auf Sprachkurse dadurch verkürzt.

Sabine: Ich finde es wichtig, dass unsere Gesetze nicht zu sehr geändert werden. Wir dürfen unsere Ideale und Werte nicht aus einer gewissen Angst oder wegen Bedenken lockern – das hilft auch den Flüchtlingen nicht weiter! Denn wenn man sein Land verlässt, reißt man damit auch seine Wurzeln aus. Sollte man in dem neuen Land dann nicht schnell wieder Strukturen und festen Halt bekommen, verliert man sich nur noch mehr.

„Im Kursraum sind wir wie die kleine UN – wie soll es im Großen funktionieren, wenn wir dies nicht in einem kleinen Raum schaffen können?“

Lernen mit Bild-Text-Kombinationen: Welches Wort enthält den Buchstaben R?
Lernen mit Bild-Text-Kombinationen: Welches Wort enthält den Buchstaben R?

Wenn wir als Neue in einem fremden Land in ihren Kurs kommen, was würden wir als erstes Lernen?

Kurt: Der erste Schritt ist immer die Gruppenfindung und die Anerkennung untereinander, gleich welcher Herkunft, politischer Überzeugung oder Religion.  Je nach Herkunft der Teilnehmer, führen wir sie dann zunächst an das lateinische Alphabet heran. Menschen zum Beispiel aus arabischen Ländern fangen da bei null an.

Sabine: Am wichtigsten ist der Respekt gegenüber den Anderen. Wir sind in dem Kursraum die kleine UN – wie soll es im Großen funktionieren, wenn wir dies nicht in einem kleinen Raum schaffen können? Gleich danach kommen die Artikel und „Bitte“, „Danke“ und „Könnte“. Der Ton macht die Musik!

Im Kurs sitzen Menschen aus unterschiedlichsten Herkunftsländern, wie funktioniert da die Verständigung untereinander?

Sabine: Wir verständigen uns von Anfang an auf Deutsch und mit Gesten, Bildern, Zeichnungen – und mit viel Lachen! Manchmal fühle ich mich wie ein Clown! Zu Beginn sind die Teilnehmer untereinander noch vorsichtig und skeptisch. So nach zwei Monaten beginnen sie aber, auch ohne meine Anwesenheit, sich untereinander auszutauschen, zu helfen und neugierig zu sein.

Habt ihr besonders schöne Momente, an die ihr euch immer gerne erinnert?

Kurt: Ich hatte einen Teilnehmer aus Afghanistan, der nach einer mehrjährigen Flucht in Deutschland ankam. Er hat bei null angefangen und sich toll entwickelt. Mittlerweile hat er eine Ausbildung als Bäcker absolviert und erklärte gerade in einem öffentlichen Interview: „Hier gehöre ich jetzt hin!“

Sabine: Die schönsten Momente sind immer, wenn Teilnehmer, die in den ersten Wochen kein deutsches Wort sprechen konnten, sich an einem Gespräch beteiligen und mitdiskutieren. Vor allem wenn Menschen, die sich aufgrund ihrer Erziehung nie getraut haben, mich direkt anzusprechen, plötzlich anfangen mit mir zu sprechen und sogar zu widersprechen – das sind besondere Erfolgsmomente für mich.

Wer das lateinische Alphabet nicht gelernt hat, fängt bei null an: Wie sehen die Buchstaben aus?
Wer das lateinische Alphabet nicht gelernt hat, fängt bei null an: Wie sehen die Buchstaben aus?

Sprechen die Teilnehmer mit euch über ihre Hoffnungen und Zukunftspläne? Was für Wünsche haben Sie?

Kurt: Im Laufe der Zeit gehen einige Teilnehmer aus sich heraus und sprechen über ihre persönliche Situation. Sie erhoffen sich, sich über die Sprachfindung schneller zu integrieren und eine Arbeit zu finden. Die Familien wünschen vor allem ihren Kindern eine sichere Zukunft. Viele möchten vor allem ihren Eltern und Geschwistern in der Heimat helfen.

 „Ein ehemaliger Teilnehmer aus Afghanistan erklärt: „Hier gehöre ich jetzt hin!‘“

 Welche Bedeutung und Aufgaben hat der Einzelne um Flüchtlinge erfolgreich zu integrieren?

Kurt: Jeder von uns sollte Flüchtlinge als gleichberechtigte Menschen sehen, die auf Dauer nicht nur mit Seidenhandschuhen angefasst werden dürfen, sondern auch lernen müssen, mit der Realität umzugehen. Schließlich sollen sie schnell auf eigenen Beinen stehen und sich dabei nicht ausgrenzen lassen. Dieses Geben und Nehmen muss unsere Gesellschaft und jeder einzelne von uns in den nächsten Jahren lernen.

Sabine: Es sollte allen Beteiligten bewusst sein, dass nicht alle Wünsche gleich in Erfüllung gehen können. In diesem ganzen Prozess ist es umso wichtiger, dass wir reden, reden, reden und jedem einzelnen mit Respekt und Geduld begegnen. Frei nach dem Motto: „Behandele andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

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Alphabetisierungs- und Integrationskurse wie die von Kurt und Sabine sind für die Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben können, ein großer und wichtiger Schritt in ein neues Leben. Uns bei KODAK MOMENTS liegt das Thema sehr am Herzen, da wir die Chancen und Vorteile von multikulturellen Teams jeden Tag spüren. Unsere geschätzte Mitarbeiterin Helena Babic, die selbst Flüchtling aus dem Bürgerkrieg in Bosnien-Herzigowina ist, führt heute unser Marketing Team und zeigt deutlich, dass erfolgreiche Integration absolut möglich ist. Wir schauen positiv in die Zukunft und bedanken uns im Namen des ganzen Teams bei allen Helden des Alltags, die die Flüchtlinge auf ihrem Weg in ihr neues Leben unterstützen!

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Janina Benz

Janina Benz

Janina Benz ist seit 2014 Digital Marketing Manager des Geschäftsbereichs Imaging Consumer bei Kodak Alaris. In dieser Funktion verantwortet sie die Themen Firmen-Website, Apps, Social Media und Influencer Relations.

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