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SCHUMIS ERSTER WM TITEL

13. November 2014 — by Mauritius Much1

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Es läuft die 36. Runde des Großen Preises von Australien, als Michael Schumachers Benetton-Ford und Damon Hills Williams-Renault plötzlich zusammenprallen.

Dabei hebt Bolide des Deutschen ab, segelt mit zwei Rädern hoch in der Luft von der Piste und landet in einem Reifenstapel. Das Auto ist so stark beschädigt, dass der deutsche Formel-1-Pilot nicht mehr weiterfahren kann. Für ihn ist der Traum vom ersten Weltmeistertitel aus – so scheint es.

„Ich war völlig aufgelöst“, erinnert sich der Benetton-Pilot an jene Momente am 13. November 1994 in Adelaide. Eine Kurve zuvor war er von der Strecke abgekommen, woraufhin sein Wagen eine Mauer touchierte. Doch Schumacher schafft es zurück auf die Strecke. Sein großer Rivale Hill will die Gunst der Stunde nutzen und den langsam gewordenen Schumacher gleich in der nächsten Kurve innen überholen. Aber dorthin hat auch der Deutsche seinen Boliden gelenkt. Es kommt zum Crash. Und wenige Augenblicke findet sich der Deutsche im Reifenstapel wieder. Noch im Auto sitzend sieht Schumacher, wie Damon Hill nach der Kollision einfach weiterfährt. Schumacher weiß, dass sein britischer Konkurrent das Rennen nur als Fünfter beenden muss, dann hat er einen Punkt mehr als Schumacher in der Endabrechnung der Fahrer-Weltmeisterschaft. Und momentan führt Hill den Grand Prix sogar an.

AUS, DER TRAUM

Für den Deutschen scheint aus einer anfangs perfekten Saison endgültig ein Albtraum zu werden: Von den ersten sieben Rennen gewinnt er sechs und wird einmal Zweiter. Er führt die Fahrerwertung mit 37 Punkten Vorsprung vor Hill an. Doch dann wendet sich das Blatt – auch durch die Schuld Schumachers und seines Teams. Weil er eine schwarze Flagge, nach der ein Fahrer ein Rennen sofort beenden muss, im Großen Preis von Großbritannien ignoriert, wird er für das Rennen aus der Wertung genommen und für zwei weitere gesperrt. Auch in Belgien wird er trotz Sieges disqualifiziert, weil der Unterboden seines Autos nicht dem Reglement entspricht. Aus dem strahlenden Seriensieger ist „Schummel-Schumi“ geworden. Kein Wunder, dass vor allem viele britische Landsleute von Damon Hill Schumacher bis heute unterstellen, er habe auch den Crash von Adelaide absichtlich herbeigeführt.

In jenen Augenblicken des 13. November 1994 sieht es also ganz danach aus, als habe Schumacher alles verloren. Doch dann vernimmt er Wortfetzen des Streckensprechers: „Hill ist in der Box … Probleme …“ Mittlerweile ist der Benetton-Pilot aus seinem Auto gestiegen und kauert hinter einem Sicherheitszaun. „Es war schrecklich, da draußen warten zu müssen“, sagt Schumacher später. Minuten vergehen, doch Hill taucht nicht mehr auf.

UND PLÖTZLICH VERÄNDERT SICH ALLES

Dann streckt ein Streckenposten dem deutschen Fahrer die Hand entgegen. Er will ihm zum Weltmeistertitel gratulieren. Denn Hill hat es zwar zur Box geschafft, dort musste aber auch er aus seinem Wagen aussteigen, weil seine Radaufhängung durch den Crash irreparabel beschädigt war. Es würde also bei der knappen Ein-Punkt-Führung Schumachers in der WM-Fahrerwertung bleiben. Aber der Deutsche zögert, er ist sich nicht sicher, ob er dem Streckenposten glauben kann. „Ich wusste nicht, ob ich mich freuen sollte. Aber es war unbeschreiblich, als es dann feststand.“ Denn einige Augenblicke später ist sich auch Schumacher sicher, dass Hill nicht mehr vorbeifahren wird. Fassungslos schüttelt der Benetton-Pilot immer wieder mit dem Kopf, doch dabei strahlt er über das ganze Gesicht.

Dieses Bild wird für Schumacher zum echten #kodakmoment: Eine Situation, die zunächst wie eine Niederlage aussah, wenige Minuten später aber einen der strahlendsten Momente in seiner Karriere nach sich zog.

ANFANG EINER BILDERBUCHKARRIERE

Um kurz vor halb sechs Uhr morgens deutscher Zeit steht endgültig fest, dass Michael Schumacher Weltmeister in der Formel 1 ist – als erster Deutscher überhaupt. Damit krönt er eine Entwicklung, die ihn in nur drei Jahren vom Neuling in der Formel 1 zum Champion macht. Durch seinen ersten WM-Titel löst Schumacher einen regelrechten Formel-1-Boom in Deutschland aus. Auf dessen Höhepunkt sehen sich im Jahr 2002 regelmäßig über 10 Millionen Deutsche die Rennen im Fernsehen an. Denn es bleibt nicht bei dem einen Titel: Noch sechs weitere Male wird Schumacher Weltmeister werden. Bis heute ist diese Leistung genauso unerreicht wie seine 91 Grand-Prix-Siege und 155 Besuche auf dem Siegertreppchen der besten drei Fahrer. Das sind nur drei der vielen Rekorde, die Schumacher immer noch hält.

Mauritius Much

Mauritius Much

Mauritius Much arbeitet seit 2006 als freier Journalist in München und schreibt über gesellschaftliche, wissenschaftliche, politische und sportliche Themen. Seit Anfang der 1990er Jahre interessiert er sich für die Formel 1 - Michael Schumachers ersten WM-Titel erlebte er etwas müde, aber live vor dem Fernseher mit.

One comment

  • Artrell

    22. Dezember 2016 at 2:11

    hey, cooler blogg wir wurden auf der fashion week auch foeirrafotgt – am eingang vor der werbewand uns wurde gesagt, dass man die bilder hier findet – wo denn genau? glg & danke im voraus

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