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Von der Drogenhölle in den Hollywood-Olymp: Robert Downey Jr.

30. Juni 2015 — by Steffen Wulf0

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Robert Downey Jr. kämpfte für seine Karriere und das zahlt sich aus. Mit der Comic-Verfilmung ‚Avengers 2: Age of Ultron‘ sorgt er wiederholt für volle Kinokassen und zählt längst zu Hollywoods Top-Verdienern.

In den letzten beiden Jahren war er der Top-Verdiener Hollywoods – und es sieht so aus, als schieße er sich auch 2015 wieder an die Spitze: Robert Downey Jr. sorgt mit seinem fünften ‚Iron Man‘- Auftritt in der Comic-Verfilmung ‚Avengers 2: Age of Ultron‘ wiederholt für volle Kinokassen. Bereits über eine Milliarde Dollar hat das neueste Sequel aus dem Hause Marvel eingespielt, das dritte Mal, dass ein Kinohit mit Roberts Superhelden-Performance diese magische Marke überschreitet. Dabei hätte vor gut zehn Jahren kaum jemand in Hollywood einen Cent darauf gesetzt, dass der charismatische Star es noch zu irgendetwas in seinem Leben bringen würde.
Denn als das erste ‚Iron Man‘-Projekt 2006 grünes Licht bekommt, scheint Robert weit entfernt vom Superhelden-Dasein. Zu erinnerungswürdig seine wilden Zeiten, die 90er-Jahre, als der begabte Schauspieler mit unzähligen Alkohol- und Drogeneskapaden die Schlagzeilen füllt. Wegen Haschisch-, Kokain- und Heroinkonsums sowie Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen über ein Jahr in den Knast muss. Und aus der Serie ‚Ally McBeal‘ geschmissen wird, für die er im Jahr zuvor noch den Golden Globe erhielt. „Meine Erziehung war so lückenhaft und dürftig. Ich habe immer so getan, als wäre ich eine ausgereifte Persönlichkeit und bin mit Leuten herumgehangen, die ebenfalls nur so getan haben als ob“, sagt der Schauspieler rückblickend. Zwar kann der Bad Boy dem Drogensumpf Anfang des neuen Jahrtausends entkommen. Trotzdem: Hollywood vergisst nicht. Und einen alternden Exjunkie können die Marvel Studios für ihr mit Riesenbudget gesegnetes Prestige-Projekt nicht gebrauchen. Halten daher nach einem jüngeren Darsteller Ausschau. Und nach jemandem, der mehr Fitness, Selbstbewusstsein und Zuverlässigkeit ausstrahlt.

Eiserner Kampf für die Traumrolle


Doch Robert ist eine Kämpfernatur, sein Ehrgeiz erwacht, er sieht die Parallelen zwischen seiner Persönlichkeit und Iron Man: „Beide sind wir Wundermänner. Wie ich ist Iron Man jemand, den man durchaus zwiespältig wahrnimmt: charmant, aber gleichzeitig auch armselig. Mir war einfach von Anfang an klar, dass ich für die Rolle die perfekte Besetzung bin.“ Mit der Verkörperung dieser Action-Ikone sieht der gebürtige New Yorker nicht nur eine Chance, seine dunkle Vergangenheit abzustreifen, sondern zudem zur Gallionsfigur eines Kinohits mit Fortsetzungspotenzial zu werden: „Tatsächlich habe ich mich irgendwann gefragt: Warum spiele nicht ich in diesen Sequel-Filmen, ‘Lethal Weapon’ oder ‘Stirb langsam‘? Warum macht Keanu Reeves ‘Matrix’ und nicht ich? Diesen ganzen Zug habe ich verpasst“. Folglich legt sich Robert ins Zeug, bewirbt sich nach seiner Oscar-nominierten Durchbruchsrolle ‚Chaplin‘ von 1992 erstmals wieder aktiv für eine Rolle. Absolviert mit eisenharter Disziplin ein Fitness-Training und überzeugt schließlich die Produktionsfirma mit einer Probeaufnahme. Die finale Zusage für die Rolle erhält er dann passenderweise während einer Kung-Fu-Stunde: „Die Rolle zu bekommen, war ein großer Deal für mich!“ Roberts Kodak Moment, ein Foto auf dem Roten Teppich der „Iron Man“-Premiere, verdeutlicht das neu gewonnene Selbstbewusstsein des Stars: Lässige Pose, breites Siegerlächeln, und im Hintergrund, ihn überragend, sein Super-Ich: Iron Man.

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Hollywoods Sorgenkind hebt ab

Wie Phoenix aus der Asche entsteigt Robert seiner dunklen Vergangenheit mit ‚Iron Man‘. Wohl auch dank des Kampfes, den er dafür aufgebracht hat. „Klar war es schwer. Aber das Leben ist auch für andere hart“, gibt sich der Star bescheiden. „Ich höre dauernd Geschichten, die ähnlich sind wie meine. Von Menschen, die krank sind und sich wieder aufrichten. George Clooney hatte diese furchtbare Hirnhautverletzung und hat trotzdem einfach seinen Film weitergemacht. Tour de France-Sieger Lance Armstrong, der den Krebs besiegte, ist auch so ein Beispiel. Jeder hat seine eigene Art, etwas zu überwinden. Ich habe mich nie gefragt, warum ich das mache, diese Kraft hat immer mein Leben bestimmt.“
Es scheint jedenfalls, als hätte der Schauspieler heute, mit 50 Jahren, nach langem steinigem Weg den Zenit des Ruhms erreicht und endlich auch sein Leben im Griff. Erst kürzlich erhielt Hollywoods früheres Sorgenkind bei der MTV Award-Verleihung den „Generationen Preis“, während seine nicht weniger berühmten ‚Avengers‘-Schauspielkollegen ihn wie einen König beklatschten. Damit wäre Roberts Kodak Moment bei der ersten „Iron Man“-Premiere der Beginn eines Happy Ends, wie es sich Hollywood nicht schöner hätte erträumen können.

 

Steffen Wulf

Steffen Wulf

Steffen Wulf ist Film-Journalist, führte Interviews mit Michael Caine, Christopher Lee, Bud Spencer und vielen anderen. Seine Star-Porträts, Set-Berichte und Kino-Reportagen sind in Fachzeitschriften wie GQ, Widescreen und Gong erschienen. Das Gespräch mit Robert Downey Jr. entstand 2008 für den TV-Sender Tele 5 anlässlich der Kinopremiere des ersten ‚Iron Man‘. Inzwischen sind alle drei Teile auf DVD/BluRay bei Concorde Home Entertainment erhältlich. ‚Avengers 2: Age of Ultron‘ läuft seit 23. April in den bundesdeutschen Kinos.

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