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ZU FÜSSEN DES WELTGRÖSSTEN WASSERFALLS

14. Oktober 2014 — by Christian Haas0

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Die Niagarafälle mögen wasserreicher sein, die Victoriafälle breiter, doch der Salto Angel ist der Höchste!

Sagenhafte 979 Meter schafft kein anderer Wasserfall der Welt. Solche Zahlen sind ja schön und gut, aber zu seinen Füßen zu stehen und selbst nach oben zu blicken: unendlich schön. Wie winzig man sich da fühlt! Wie viel Wasser auf seinem fast einen Kilometer langen Weg nach unten in der Luft zerstäubt! Wie abenteuerlich sich die Kulisse gestaltet! Schließlich stürzt der Wasserfall abseits jeglicher Zivilisation von einem schroffen Tafelberg, der sich majestätisch aus dem riesigen venezolanischen Regenwald erhebt, herab. Und die weiten Dimensionen der sogenannten Gran Sabana spürt jeder Salto-Angel-Besucher am eigenen Leib. Allein von der nächstgelegenen Großstadt Ciudad Bolívar fliegt man stundenlang (in meinem Fall in einer äußerst klapprigen Cessna) über Wald, Wald, Wald (mit vielen Flüssen dazwischen). Dann kommt irgendwann die Landung im Dorf Canaima, wo es für die meisten erneut in die Luft geht, um den Salto Angel von oben zu erkunden. Viel spannender jedoch ist die Fahrt dorthin in einen Einbaum – auch wenn der Trip drei Tage hin und zurück dauert.

RAUS AUS DER KOMFORTZONE

Was einen auf der Tour auf dem Río Carrao und dem Río Churún erwartet: auf Gaskochern zubereitete Mahlzeiten und zwei Übernachtungen in offenen Holzhütten mitten im Urwald. Geschlafen wird standesgemäß in der Hängematte, der Skorpione und Schlangen wegen. Auch wenn der Einbaum einen Außenborder Motor und einen athletischen Pémon-Indianer an Bord hat, der zwischen all den kleineren und größeren Stromschnellen und Untiefen den richtigen Weg zeigt: An einigen Stellen gibt es für so ein rund acht Meter langes Gefährt kein Fortkommen. Dann müssen auch die sechs Passagiere rein ins Wasser und schieben! Allein deshalb sind Wechselklamotten und ein zweites Paar Schuhwerk Pflicht. Ebenso Pflicht sind Fernglas, Aufnahmegerät und Extra-Speicherkarten für die Kamera, denn kunterbunte Papageien, kuriose Pflanzen und große Käfer sind überall. Das Schönste ist jedoch der Ausblick auf die Tafelberge, die der Ferne ruhen und mehr als 1000 Meter über das grüne Meer heraufragen.  Die Indianer halten sie für den Sitz der Götter und Michael Crichton wählte diesen Ort als Schauplatz für seinen „Jurassic Parc“.

DIE LETZTEN METER – DIE BESTEN!

Zu Füßen eines dieser Tafelberge, er heißt Auyan-Tepuis, endet unsere Bootstour. Mit dem Einbaum kann man nicht ganz zum Fuß des Salto Angel vordringen. Die letzte Strecke muss zu Fuß zurückgelegt werden, wobei es wenig vergleichbar majestätische Momente gibt als den, wenn man nach eineinhalb Stunden Wanderung plötzlich aus dem Dickicht tritt und sich vor einem eine gigantische Felswand auftut, von der sich der welthöchste Wasserfall ergießt – ein echter #kodakmoment. Wem jetzt nach einer Abkühlung dürstet: Bitte sehr, in den kleinen Pools unter dem Wasserfall kann man baden. Zumindest in der Trockenzeit zwischen Januar und März, denn dann kommen vom Fallwasser ohnehin nur geringe Mengen unten an. Der Rest wird vom Winde verweht …

Bild: Jaam0121/Wikipedia
Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas lebt als freier Reisejournalist in München. Seine Texte erscheinen u.a. in der Süddeutschen Zeitung, Abenteuer und Reisen und bei Merian.

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